Red doch keinen Müll – warum Sprache einen grünen Punkt braucht!

Ob in Talkshows, in den Sozialen Medien oder beim Telefonieren auf der Straße, wir hören sie an jeder Ecke: emotionsgeladene, ihre Umwelt ignorierende drauflosredende Menschen. Ohne Filter, ohne Reflektion, ohne Rücksicht. Sie kommentieren und bewerten alles, was sie sehen, hören, lesen und erleben.

Haben Sie schon einmal überlegt, dass die Ursache unserer zugemüllten Welt unsere Sprache sein könnte? Sprache und Gedanken üben eine Wechselwirkung aufeinander aus. Alles beginnt im Kopf. Der Gedanke ist der Same für unsere Lebensgestaltung. Unsere Gedanken formen, wie wir unsere Welt gestalten, im Kleinen wie im Großen. Das bedeutet: Mit Gedankenhygiene und Sprachpflege können wir zu einer müllfreien Welt beitragen. Zu einfach, um wahr zu sein?

Recycling beginnt im Kopf, nicht mit dem grünen Punkt. Das Aussortieren meiner Gedanken ist der erste Schritt: Wiederverwertbares, Kompostierbares von Giftigem und Plastikabfall trennen. Was brauche ich, was nicht? Ist dieser Glaubenssatz oder dieses Konzept hilfreich? Oder gehören sie zu meinen Konditionierungen und sind gar nicht meine eigenen Gedanken? Nutzt mir jener bewertende Gedanke oder wäre ich freier, wenn ich konsequent auf Bewertungen verzichte und stattdessen wohlwollende, bekräftigende Gedanken behalte? Und vielleicht befördere ich sogar bislang unter dem Müllberg verborgene Gedankenschätze wieder ans Licht?

Indem ich meinen Gedankenmüll sortiere, schaffe ich Klarheit. Platz entsteht. Raum für Neues, Unerwartetes, Überraschendes. Ich verbinde mich wieder mit dem, was mir wirklich wichtig ist, was ich schätze und was ich leben möchte. Ich entdecke Gedankenjuwelen, die ich längst verloren glaubte oder mir in meinen kühnsten Träumen nicht einmal vorzustellen wagte.

Diesen Kostbarkeiten mit Worten Ausdruck zu verleihen, kann zu einem reinen Freudenfest werden. Worte beginnen, wieder Gewicht zu erhalten. Ich setze gezielt Worte ein, bedacht und behutsam. Und nutze sie, um andere aufzubauen, gut über die Nachbarn zu denken, den Bezirk, die Stadt, das Land, den Kontinent, die Welt. Das beflügelt.

Im aktuellen Modewort „Nachhaltigkeit“ steckt bereits der wertvolle Hinweis, dass alles „nach-hallt“. In dem Moment, in dem wir unsere Gedanken aussprechen, hat das Gesagte eine Wirkung. Ein Echo entsteht. Es hallt auf uns zurück. Daher ist es ratsam, sich seiner Gedanken und dem darin verborgenen Potential, bewusst zu werden.

Das Üben von Gedankenverzicht, sprachlicher Zügelung und bewusstem Sprechen beinhaltet auch instinkthaftes Gesprächsverhalten. In einer müllfreien Welt sind reflexartige Äußerungen erlaubt – schließlich kann ich meinen eigenen Dreck selbst wieder aufheben und einpacken. Das bedeutet, Eigenverantwortung zu übernehmen für das, was mir verbal herausgerutscht ist. Manchmal steht eine Entschuldigung an, und manches Mal ist mein Dreck tatsächlich nicht mein Müll. Dann heißt es: Mund aufmachen und aussprechen, was auszusprechen ist. Reflektiert, sortiert und zur wertvollen Weiterverwertung gedacht. Umweltschonend – sozusagen Sprechen mit dem grünen Punkt.